Der Mann hat schon so einige Rettungen erlebt

Die Rettung fand sich um die Weihnachtszeit. Sie hieß Klaus. Klaus lebte auf einem Hof hinter dem Dorf Bismark hinter Löcknitz und handelte dort mit Schrott. Klaus’ Wesen wäre es, gern so ein bisschen aufzuschneiden, sagt Krüger, und Klaus trug ihm auf: Uwe, back mir Christstollen für meine Kunden, hier hast du 200 Glocken auf Kralle, kauf davon, was du an Zutaten brauchst. „Aber iss ihn nicht selbst“, mahnte ihn Krüger. „Du weißt, dass du Diabetes hast.“ Klaus’ Art wäre es, ein bisschen maßlos zu sein.

Uwe Krüger fuhr nach Polen und kaufte billig Zutaten für Christollen. Dann brachte er seine Backstube wieder in Gang. „Probehalber“, sagt er, hätte er an manchen Tagen den Laden wieder aufgemacht. Zuerst buk er nur Brot. Dann einfache, runde, weiße Kuchen. Weil er kein Konto eröffnen durfte, fuhr er zum Einkaufen mit Bargeld nach Polen. Und weil ihn kein Großhändler belieferte, buk er seine Waren nicht aus Fertigbackmischungen, sondern aus Butter, Mehl und Milch. Das brachte ihm den Ruf des „Ostbäckers“ ein, der einzige weit und breit, der noch wie zu DDR-Zeiten backe, als die Landbäcker ihren Schrippen noch selbst anrührten. Krüger nahm diese Zuschreibung an und den „LPG-Kuchen“ ins Programm. Er wirtschaftete sparsam und umsichtig wie nie, schaffte Schweine an, die Brotreste fraßen, baute Obst und Gemüse im eigenen Garten an und orientierte sich an schlichten Grundsätzen: günstige, aber gute Zutaten, einfache Backwaren, niedrige Preise.

Es war die Zeit, als die EU-Grenze zu Polen fiel und die Straße, die von Löcknitz nach Szczecin führte, unter den Rädern der LKWs erzitterte. Dieser Karawane sah Uwe Krüger zu und sagte sich: Sie müsste halten. Die Fahrer müssten anhalten und das Brot kaufen, das er buk und das Andrea an der Theke verkaufte. Er müsste sie dazu bringen.

Die rettende Idee war das Schild. Uwe Krüger ist kein Mensch, der vor Ideen sprüht. Im Alltag genügt es ihm zu backen. Aber er spürte, dass er in diesem Moment seines Lebens eine einzige, sehr gute Idee brauchte. Eines Abends hatte er sie: Das Ein-Euro-Brot.

Ein Ein-Euro-Brot erschien ihm als runde Sache in einem Land, in dem Hartz IV und Ein-Euro-Jobs die Gedanken zwischen Bremsen und Schalten bestimmen. Er besorgte ein schlichtes Metallschild. Und weil die Karawane aus zwei Richtungen kam – Polen und Deutschland -, beschrieb er es auf Polnisch und Deutsch.

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